12 Prinzipien: agiles Manifest und seine Anwendung

Das agile Manifest legt 12 Prinzipien fest, die Teams helfen, produktiver und effektiver zu arbeiten. Aber was bedeuten diese Prinzipien in der Praxis? Wie kannst du sie auf dein eigenes Team anwenden?

In diesem Artikel gehen wir auf jedes der 12 Prinzipien im Detail ein und zeigen dir, wie du sie in die Tat umsetzen kannst.

Inhaltsverzeichnis

Die 12 Prinzipien sind im agilen Manifest für Softwareentwicklung festgehalten.
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Das agile Manifest

Das agile Manifest ist eine Reihe von Richtlinien für Softwareentwicklungsteams. Es wurde erstmals im Jahr 2001 veröffentlicht und wird seitdem von Organisationen auf der ganzen Welt übernommen.

Eigentlich heißt es gar nicht agiles Manifest. Dieser Name hat sich über die Jahre nämlich nur eingeschlichen. Die ursprüngliche vollständige Bezeichnung ist “Manifest für agile Softwareentwicklung“.

Hier wird sehr schnell deutlich, worum es im agilen Manifest eigentlich geht: Softwareentwicklung. Wieso aber ist das agile Manifest dann so ein Renner in Unternehmen und bei Beratern geworden, wenn damit gar keine Software entwickelt werden soll?

Agile Prinzipien machen Teams produktiver

Das liegt daran, dass das agile Manifest eine Reihe von Prinzipien enthält, die auf nahezu jede Art von Arbeit angewendet werden können, nicht nur auf die Softwareentwicklung. Und diese Prinzipien helfen Teams nachweislich, produktiver und effektiver zu arbeiten.

Mit Hilfe der Prinzipien gelingt es Softwareentwicklungsteams zum Beispiel, ihre Arbeit gemeinsam besser zu planen, einer hohen Kundenorientierung zu realisieren und zu einer frühzeitigen und kontinuierlichen Lieferung von Software zu kommen.

Aber die Prinzipien können auch anderen Arten von Teams helfen. Zum Beispiel Produktentwicklungsteams oder Projektmanagementteams. Dafür müssen sie meistens entsprechend angepasst werden.

Die 12 Prinzipien im agilen Manifest müssen zum Einsatzzweck passen
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Methoden und Prinzipien müssen passen

Es ist keine gute Idee, agile Methoden und Prinzipien blind zu verwenden. Sie müssen immer an das jeweilige Team und das jeweilige Projekt angepasst werden, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Denn andernfalls besteht die Gefahr, dass sie nicht funktionieren oder sogar negative Auswirkungen haben.

Das gilt auch für das agile Manifest. Die 12 Prinzipien des agilen Manifests sind nur ein Leitfaden. Sie zeigen, was bei der Softwareentwicklung aus einer agilen Perspektive wichtig ist. Aber sie geben keine konkreten Anweisungen, wie man agile Methoden in der Praxis umsetzt

Die 12 Prinzipien des agilen Manifests

Was sind also diese 12 Prinzipien? Schauen wir sie uns mal an (Quelle: https://agilemanifesto.org/iso/de/principles.html):

Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufrieden zu stellen.

Hier wird eindeutig der Fokus der Arbeit definiert: der Kunde und seine Zufriedenheit. Das Ziel ist es, so früh und so kontinuierlich wie möglich Software zu liefern, die dem Kunden einen Mehrwert bringt.

Teams sollten sich also so organisieren, dass sie möglichst viel über die Kundenzufriedenheit in Erfahrung bringen können.

Heiße Anforderungsänderungen selbst spät in der Entwicklung willkommen. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden.

Dieser Grundsatz ist eng mit dem ersten verbunden. Er besagt, dass Änderungen der Kundenanforderungen begrüßt werden sollten, auch wenn sie erst spät im Entwicklungsprozess auftreten. Schließlich bieten diese Änderungen einen Wettbewerbsvorteil, der genutzt werden sollte.

Für starre Prozesse stellt das zumeist eine gewisse Schwierigkeit dar.

Mit den 12 agilen Prinzipien wird Kontinuität im Prozess ermöglicht
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Liefere funktionierende Software regelmäßig innerhalb weniger Wochen oder Monate und bevorzuge dabei die kürzere Zeitspanne.

Der Schwerpunkt liegt hier auf der Lieferung. Das Ziel ist es, dem Kunden in regelmäßigen Abständen funktionierende Software zu liefern, in möglichst kurzen Zeitabständen.

Aus diesem Prinzip ergeben sich die Sprints, die typisch für agile Methoden wie Scrum sind. In Scrum wird die Arbeit in zeitlich begrenzten Sprints organisiert, an deren Ende ein funktionierendes Produkt ausgeliefert werden kann.

Fachexperten und Entwickler müssen während des Projektes täglich zusammenarbeiten.

Um eine schnelle Bereitstellung von Software zu erreichen, ist es notwendig, dass die Fachexperten und die Entwickler täglich eng zusammenarbeiten. So wird sichergestellt, dass Missverständnisse vermieden und Probleme schnell gelöst werden können.

Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen.

Bei diesem Prinzip geht es darum, den Mitarbeitern die Freiheit zu geben, die sie brauchen, um ihre beste Arbeit zu leisten. Das setzt natürlich auch Vertrauen in ihre Fähigkeiten voraus – vor allem von hierarchischen Führungsebenen.

Das Wichtigste ist, dass sich die Beschäftigten auch organisatorisch wohlfühlen und nicht durch zu viel Kontrolle von außen behindert werden.

Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu übermitteln, ist im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Bei diesem Prinzip geht es um Kommunikation. Die effektivste Art der Kommunikation ist immer noch von Angesicht zu Angesicht. Natürlich ist das nicht immer möglich oder praktisch.

Aber es sollte die Standardkommunikationsmethode sein, wann immer es möglich ist. In der Praxis bedeutet dies auch, dass die Teammitglieder an einem gemeinsamen Ort angesiedelt sein sollten.

Funktionierende Software ist das wichtigste Fortschrittsmaß.

Dieses Prinzip geht Hand in Hand mit den ersten beiden. Der Schwerpunkt liegt auf Software, die tatsächlich funktioniert und dem Kunden einen Nutzen bringt. Das ist der wichtigste Maßstab für den Fortschritt – nicht Dokumentation, Pläne oder andere Artefakte.

Im Gegensatz zu klassischen Projektorganisationen wird hier nochmals der klare Schwerpunkt auf das Produkt und den Kunden deutlich. Es geht nicht primär darum, Führungskräfte zufrieden zu stellen.

Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten ein gleichmäßiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können.

Der Schwerpunkt liegt hier auf einer nachhaltigen Entwicklung. Das bedeutet, dass der Kunde, die Entwickler und die Nutzer ihr aktuelles Tempo auf unbestimmte Zeit beibehalten können, ohne auszubrennen.

Dieses Prinzip ist eng mit dem Prinzip “Motivierte Individuen” verbunden. Ein wichtiger Teil der nachhaltigen Entwicklung ist es, dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten nicht überlastet oder überarbeitet werden.

Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und gutes Design fördert Agilität.

Bei diesem Prinzip geht es um technische Exzellenz und gutes Design. Wenn du diesen Aspekten von Anfang an Aufmerksamkeit schenkst, kannst du vermeiden, dass du später größere Änderungen vornehmen musst. Das macht die Software flexibler und leichter veränderbar.

Das Agile Manifest: Einfachheit ist ein Aspekt der 12 Prinzipien
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Einfachheit — die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren — ist essenziell.

Bei diesem Prinzip geht es um Einfachheit. Das Ziel ist es, so wenig Arbeit wie möglich zu machen, die nicht unbedingt notwendig ist. Das macht die Software wartungsfreundlicher und einfacher zu ändern.

Natürlich heißt das nicht, dass Details unwichtig sind. Der Fokus liegt vielmehr darauf, welche Details wirklich wichtig sind und welche weggelassen werden können.

Die besten Architekturen, Anforderungen und Entwürfe entstehen durch selbstorganisierte Teams.

Bei diesem Prinzip geht es um selbstorganisierte Teams. Die besten Architekturen, Anforderungen und Entwürfe stammen von Teams, die sich selbst organisieren können. So können sie den spezifischen Kontext und die Bedürfnisse des Projekts besser berücksichtigen.

Hierarchisch geprägte Organisationen haben eine natürliche Tendenz, sich Veränderungen zu widersetzen, insbesondere wenn diese nicht “von oben” kommen. Selbstorganisation ist dann eine große Herausforderung für diese Organisationen.

In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.

Bei diesem Prinzip geht es um Reflexion und ständige Verbesserung. Das Team sollte in regelmäßigen Abständen über seine eigene Leistung nachdenken und sein Verhalten entsprechend anpassen. Dies ermöglicht es dem Team, um seine Leistung kontinuierlich zu verbessern.

Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu tun, z. B. Retrospektiven oder “Lessons Learned”-Treffen.

Die 12 Prinzipien im agilen Manifest helfen Teams dabei agiler zu werden
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Was bedeuten die Prinzipien in der Praxis?

Agile Prinzipien aus dem agilen Manifest geben keine Anleitung dafür, wie agile Methoden tatsächlich umzusetzen sind. Sie bieten jedoch einen guten Ausgangspunkt, um darüber nachzudenken, was in einem agilen Projekt wichtig ist.

So wie sie formuliert sind und über Jahrzehnte in der Praxis erprobt und verifiziert wurden, bieten sie auf jeden Fall eine gute Grundlage für agiles Arbeiten in Softwareentwicklungsteams.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Prinzipien zu interpretieren und anzuwenden. Wichtig ist, dass sie immer auf den spezifischen Kontext des Projekts bezogen werden. Es gibt keine “Einheitslösung” für alle.

Die Anwendung der Prinzipien auf dein Team

Die agilen Prinzipien müssen zum Team und zu dessen Aufgabe passen. Nur dann ist es wirklich sinnvoll, sie anzuwenden.

Viele Teams machen den Fehler, die bekannteste agile Methode “SCRUM” einfach auf sich selbst anzuwenden. Doch das agile Manifest ist keine Methodik wie SCRUM. Vielmehr ist es eine Sammlung von 12 Prinzipien, die dir helfen sollen, den richtigen Weg für dein Team zu finden.

Der bessere Ansatz ist also, ein für dein Team individuell passendes Set an Tools, Regeln und weiteren Elementen zu entwickeln, damit die Vorteile von Agile voll ausgeschöpft werden können.

Das geht am besten in Selbstorganisation und mit Unterstützung agiler Coaches und Experten von außen.

An der Innoversität bieten wir hierzu Workshops für Teams und Führungskräfte an, damit das agile Manifesto optimal zur Anwendung kommen kann.

Wenn du darüber mehr wissen willst, dann nimm einfach zu uns Kontakt auf. Wir können die Möglichkeiten für dein Team und dein Unternehmen dann am besten in unserem kostenlosen Kennenlernworkshop ausloten.

Hier kannst du mehr über diesen kostenlosen Workshop erfahren.

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Agil ist nicht einfach agil

Die 12 Prinzipien des agilen Manifests sind ein Leitfaden für Teams, die produktiver und effektiver arbeiten wollen. Um effektiv zu sein, müssen die Prinzipien auf das Team und seine spezifische Aufgabe zugeschnitten werden.

Die Anwendung von agilen Methoden wie SCRUM ohne Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse des Teams kann kontraproduktiv sein.

Nutze daher die Chance, die agilen Prinzipien passgenau auf dein Team zuzuschneiden und ihre Absicht in konkrete, passende Lösungen zu übersetzen.

12 Prinzipien - Agiles Manifest für höhere Produktivität und effizientere Teams

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